Hintergrund/Fragestellung: Im (fach-)öffentlichen Diskurs zum Thema Prostitution fehlt die Perspektive der Kunden („Freier“) weitgehend. Um dieser Freier-Perspektive Raum zu geben, initiier- te ein Vorstandsmitglied des Berufsverbands erotische und sexuel- le Dienstleistungen (BESD) im Juni 2016 eine von deren Betreibern unterstützte Umfrage in so genannten Freierforen im Internet. Methoden: Als Erhebungsinstrument diente ein selbstad- ministrierter Online-Fragebogen, dessen Beantwortung sowohl quantitativ (z.B. zu Herkunft, Alter, Beziehungsstatus mit SPSS) als auch qualitativ (nach Mayring) ausgewertet wurde. Ergebnisse: Im Ergebnis zeigte sich eine hohe Auskunftsbe- reitschaft der Befragten. 149 auswertbare und teils ausführliche Antworten legten nahe, dass Freier die Inanspruchnahme sexu- eller Dienste auch (selbst-)kritisch reflektieren. Als Motivation wurden v.a. genannt: der vereinfachte Zugang zu Sex im Allge- meinen sowie zu Frauen und Praktiken, die ansonsten unerreich- bar wären. Themen der sexuellen Gesundheit wie beispielsweise Hygiene und Erholung, wurden initiativ benannt und zahlreiche psychosoziale Aspekte hervorgehoben. Das freiwillige Anbieten sexueller Dienste hielten die befragten Männer insgesamt für eine Grundvoraussetzung. Schlussfolgerungen: Der unerwartet hohe Rücklauf der Fra- gebögen legt nahe, dass Freier aufgeschlossen für Forschungsfra- gen sind. Trotz aller methodischen Verzerrungen zeigt sich deut- liches Interesse an Themen der sexuellen Gesundheit, das bisher zu wenig adressiert wird.